Rund 930 Meter zwischen Millerntorplatz und Nobistor – mehr braucht die berühmteste Straße Deutschlands nicht. Auf dieser kurzen Distanz drängen sich Theater, Clubs, ein Polizeirevier mit Kultstatus, ein Wachsfigurenkabinett und mehr Geschichte, als die meisten Städte auf zehn Kilometern zusammenbekommen. Wir haben die Orte zusammengestellt, an denen du auf dem Kiez Hamburg nicht vorbeilaufen solltest.
Warum die Reeperbahn Reeperbahn heißt
Der Name hat nichts mit Nachtleben zu tun, sondern mit Handwerk. „Reep“ ist plattdeutsch für Tau. Wo heute Leuchtreklame flackert, drehten Seiler früher auf langen, geraden Bahnen die Taue für die Segelschiffe im Hafen. Dafür brauchte es Platz und eine schnurgerade Strecke – genau die Form, die die Straße bis heute hat. Der Stadtteil St. Pauli lag damals vor den Toren der Stadt: Hier war erlaubt, was innerhalb der Stadtmauern verboten war. Aus dieser Randlage ist das geworden, was die Hamburger schlicht „den Kiez“ nennen.
Die 12 Orte im Überblick
1. Davidwache
Das kleine Backsteingebäude an der Ecke Davidstraße ist vermutlich das meistfotografierte Polizeirevier Europas. Errichtet wurde es 1914 nach Plänen des Hamburger Oberbaudirektors Fritz Schumacher. Die Terrakotta-Reliefs an der Fassade lohnen einen zweiten Blick. Bis heute ist die Wache in Betrieb – und Kulisse für unzählige Filme und Serien.
2. Spielbudenplatz
Der Platz auf der Nordseite der Reeperbahn war schon im 18. Jahrhundert Bühnenfläche für Schausteller, Gaukler und Wanderbühnen. Heute stehen hier das Operettenhaus, das Schmidt Theater und Schmidts Tivoli. Tagsüber finden auf dem Platz Märkte und Veranstaltungen statt, abends ist er Sammelpunkt für alle, die den Kiez erkunden wollen.
3. Große Freiheit
Die Seitenstraße trägt ihren Namen wegen der Gewerbe- und Religionsfreiheit, die hier im 17. Jahrhundert galt – ein Zugeständnis der damaligen dänischen Verwaltung. Musikalisch ist sie die wichtigste Adresse des Viertels: In den Clubs dieser Straße spielten sich in den 1960ern britische Bands in Weltkarrieren.
4. Beatles-Platz
An der Kreuzung Reeperbahn/Große Freiheit liegt seit 2008 ein kreisrunder, schwarz gepflasterter Platz, der von oben aussieht wie eine Schallplatte. Fünf Stahlsilhouetten erinnern an die Band, die hier ihre Lehrjahre absolvierte. Ein Pflichtstopp für jeden Musikfan – und der beste Treffpunkt, wenn ihr euch in einer Gruppe verabredet.
5. Herbertstraße
Die kurze Gasse zwischen Davidstraße und Gerhardstraße ist an beiden Enden mit Sichtblenden abgeschirmt. Zutritt haben ausschließlich Männer ab 18 Jahren. Fotografieren ist verboten und wird von den Frauen konsequent unterbunden. Wer die Straße besuchen will, sollte das wissen und respektieren.
6. Panoptikum
Am Spielbudenplatz steht das älteste Wachsfigurenkabinett Deutschlands, gegründet 1879 und bis heute in Familienbesitz. Zwischen Politikern, Musikern und Schauspielern finden sich auch Hamburger Originale, die es nirgendwo sonst in Wachs gibt.
7. Hans-Albers-Platz
Ein Stück abseits vom Trubel, benannt nach dem Schauspieler und Sänger, der wie kein anderer für das Hamburg-Klischee vom singenden Seemann steht. Eine Bronzestatue steht mitten auf dem Platz. Drumherum: kleine Kneipen, in denen es deutlich ruhiger zugeht als 100 Meter weiter.
8. Silbersackstraße und Talstraße
Wer wissen will, wie der Kiez ohne Neonschilder klingt, biegt hier ab. Enge Straßen, alte Eckkneipen, Live-Musik in Räumen von der Größe eines Wohnzimmers. Für viele Hamburger ist das der eigentliche Kiez.
9. Millerntor-Stadion
Am östlichen Ende der Reeperbahn liegt das Stadion des FC St. Pauli. Auch ohne Spieltag lohnt der Weg: Die Totenkopf-Symbolik, die Wandbilder und die Fankultur rundherum erklären mehr über die Identität des Viertels als jeder Reiseführer.
10. Landungsbrücken und Alter Elbtunnel
Vom Kiez sind es zu Fuß nur wenige Minuten hinunter ans Wasser. Der Alte Elbtunnel von 1911 führt 24 Meter unter der Elbe hindurch nach Steinwerder – von dort hast du den besten Blick zurück auf die Hamburger Skyline. Fußgänger und Radfahrer nutzen ihn kostenlos.
11. Park Fiction und die Hafentreppe
Der kleine Park an der Antonistraße wurde in den 1990ern von Anwohnern gegen Investorenpläne erkämpft – mit Palmen aus Kunststoff, einem fliegenden Teppich aus Beton und dem wohl schönsten Hafenblick der Stadt. Bei Sonnenuntergang sitzt hier halb St. Pauli.
12. Fischmarkt und Fischauktionshalle
Sonntagmorgen, wenn die letzten den Kiez verlassen, öffnet am Elbufer der Fischmarkt. Im Sommer ab 5 Uhr, im Winter ab 7 Uhr, Schluss ist gegen 9:30 Uhr. In der benachbarten Fischauktionshalle spielt eine Liveband zum Frühstück. Die Mischung aus Frühaufstehern und Nachtschwärmern gibt es so nur in Hamburg.
So kommst du hin
- S-Bahn: S1 und S3, Station Reeperbahn – Ausgang direkt am westlichen Ende der Straße.
- U-Bahn: U3, Station St. Pauli – am Millerntor, also am östlichen Ende.
- Zu Fuß: Von den Landungsbrücken sind es rund zehn Minuten bergauf.
- Auto: Parkplätze sind knapp und teuer. Am Wochenende ist die Anreise mit Bahn oder Taxi deutlich entspannter.
Praktische Tipps für den ersten Besuch
- Beste Zeit: Zwischen 20 und 23 Uhr ist die Straße voll, aber noch entspannt. Nach Mitternacht wird es deutlich lauter.
- Wertsachen: Handy und Portemonnaie gehören in die Innentasche – wie in jedem Ausgehviertel einer Großstadt.
- Fotografieren: Auf der Reeperbahn kein Problem. In der Herbertstraße und vor Eingängen zu Etablissements: unbedingt lassen.
- Anziehen: Vom Wasser weht es. Eine Jacke oder ein warmer Kiez Hoodie ist auch im Sommer keine schlechte Idee.
- Am nächsten Morgen: Fischmarkt. Immer.
Ein Andenken, das kein Kühlschrankmagnet ist
Wer den Kiez erlebt hat, will meistens etwas mitnehmen. In unserem Shop findest du Kiez Merchandising, das nicht nach Souvenirshop aussieht: Hoodies, T-Shirts, Tops, Kappen sowie Kiez Kaffee und Tassen – gemacht von Leuten, die hier zu Hause sind.
Häufige Fragen zur Reeperbahn
Wie lang ist die Reeperbahn?
Rund 930 Meter, vom Millerntorplatz im Osten bis zum Nobistor im Westen. Zu Fuß schafft man die Strecke in etwa zwölf Minuten – wenn man nirgendwo stehen bleibt, was praktisch nie passiert.
Ist die Reeperbahn gefährlich?
Nein. Rund um die Uhr ist Polizei präsent, die Davidwache liegt mitten auf der Straße. Wer sich normal verhält und auf seine Sachen achtet, hat keine Probleme. Ärger entsteht fast immer aus Alkohol, nicht aus dem Ort.
Kann man mit Kindern auf die Reeperbahn?
Tagsüber ja – dann ist der Kiez ein ganz normaler Stadtteil mit Cafés, Spielplätzen und Hafenblick. Abends ist er kein Ort für Kinder.
Was kostet ein Abend auf dem Kiez?
Das hängt komplett von dir ab. Ein Bier in einer Eckkneipe kostet weniger als in der Hamburger Innenstadt, in den großen Clubs deutlich mehr. Für einen normalen Abend mit Essen, ein paar Getränken und Eintritt solltest du mit 60 bis 100 Euro pro Person rechnen.



