St. Pauli ist der Stadtteil, den alle nur nach Einbruch der Dunkelheit kennen. Dabei ist das Viertel bei Tageslicht ein völlig anderer Ort: ein normales Wohnquartier mit gut 20.000 Menschen, Kindergartengruppen auf dem Weg zum Spielplatz, Bäckereien, Hafenkränen am Horizont und einer der besten Aussichten Hamburgs. Wer den Kiez Hamburg nur nachts sieht, verpasst die Hälfte.
Vormittag: unter die Elbe
Startpunkt sind die Landungsbrücken. Im westlichen Kuppelbau fährt der Alte Elbtunnel seit 1911 hinunter – 24 Meter unter die Elbe, durch zwei gekachelte Röhren nach Steinwerder. Die Keramikreliefs an den Wänden zeigen Fische, Krebse und den ein oder anderen alten Schuh, den die Elbe hergegeben hat. Fußgänger und Radfahrer nutzen den Tunnel kostenlos.
Auf der Südseite angekommen, geht man ein paar Schritte ans Wasser: Von dort siehst du die komplette Hamburger Skyline mit Michel, Elbphilharmonie und den Landungsbrücken – der Blick, den es auf keiner Postkarte besser gibt. Zurück durch den Tunnel, das kostet insgesamt etwa eine Stunde.
Mittag: der Hügel
St. Pauli ist steiler, als die meisten erwarten. Zwischen Hafenkante und Reeperbahn liegen rund 20 Höhenmeter, überwunden von einer Reihe von Treppen, die zu den schönsten Wegen der Stadt gehören.
- Bernhard-Nocht-Straße: Altbauten, Hafenblick zwischen den Häusern, deutlich ruhiger als die Parallelstraßen.
- Park Fiction: Ein kleiner Park, den die Anwohner in den 1990er Jahren gegen Bebauungspläne durchgesetzt haben – mit Kunststoffpalmen, einer geschwungenen Betonfläche und dem schönsten Hafenpanorama, das man im Sitzen bekommt.
- Balduintreppe und Hafentreppe: Kurze, steile Verbindungen zwischen unten und oben. Wer Bilder machen will, ist hier richtig.
Nachmittag: Fußball, Kunst und Kaffee
Am östlichen Ende der Reeperbahn liegt das Millerntor-Stadion. Auch ohne Spiel lohnt der Weg: Die Wandbilder rund ums Stadion, die Fanläden und der Totenkopf an jeder zweiten Hauswand erzählen viel darüber, wie sich dieses Viertel selbst sieht. Nebenan liegt der Heiligengeistfeld-Bunker – der massive Hochbunker aus dem Zweiten Weltkrieg, der inzwischen mit einem begrünten Aufbau und einem Dachgarten überformt wurde.
Wer es kleiner mag: Rund um die Silbersackstraße, die Talstraße und den Hans-Albers-Platz reihen sich Eckkneipen und Cafés, in denen der Kiez ohne Publikum stattfindet. Nachmittags sitzt hier die Nachbarschaft, nicht der Besuch.
Sonntagmorgen: Fischmarkt
Das größte Schauspiel des Viertels beginnt, wenn die Nacht endet. Am Elbufer öffnet sonntags der Fischmarkt – von April bis Oktober ab 5 Uhr, im Winterhalbjahr ab 7 Uhr, Schluss ist gegen halb zehn. Verkauft wird längst nicht mehr nur Fisch: Obst, Pflanzen, Kleidung, Hausrat. Die eigentliche Attraktion sind die Marktschreier, die ihre Kisten in einem Tempo leerreden, das man gehört haben muss.
Gleich daneben steht die Fischauktionshalle von 1896. Drinnen spielt am Sonntagmorgen eine Liveband, während an langen Tischen Fischbrötchen und Frühstück serviert werden. Die Mischung aus Frühaufstehern in Funktionsjacke und Nachtschwärmern, die noch nicht im Bett waren, gibt es in dieser Form nur in Hamburg.
Ein Tagesplan, der funktioniert
| Zeit | Station |
|---|---|
| 10:00 | Landungsbrücken, Alter Elbtunnel und zurück |
| 11:30 | Aufstieg über Bernhard-Nocht-Straße zum Park Fiction |
| 12:30 | Mittagessen im Portugiesenviertel oder an der Hafenkante |
| 14:30 | Reeperbahn zu Fuß, Davidwache, Beatles-Platz, Spielbudenplatz |
| 16:00 | Millerntor-Stadion und Heiligengeistfeld |
| 17:30 | Kaffee oder erstes Bier rund um den Hans-Albers-Platz |
Wetter und Ausrüstung
Am Hafen ist es immer ein paar Grad kühler und deutlich windiger als in der Innenstadt – auch im Hochsommer. Feste Schuhe wegen der Treppen und des Kopfsteinpflasters, eine winddichte Jacke oder ein warmer Hoodie, und im Zweifel eine Kappe gegen den Nieselregen, den Hamburg jederzeit aus dem Ärmel schüttelt.
Kiez zum Mitnehmen
Unser Kiez Merchandising entsteht dort, wo diese Geschichten spielen: Hoodies, Shirts, Tops und Kiez Kaffee & Tassen. Keine Souvenirware – Kiez Artikel, die man auch zu Hause noch trägt.



